DIN 18599 Nichtwohngebäude: Die Norm, an der jeder Bedarfsausweis hängt

Die DIN 18599 Nichtwohngebäude, korrekt DIN V 18599, ist die Berechnungsnorm, nach der jeder Bedarfsausweis für ein Nichtwohngebäude gerechnet wird. Sie verlangt die Zonierung des Gebäudes nach Nutzungsprofilen, weil einzelne Bereiche wie Büro oder Serverraum ganz unterschiedliche Anforderungen haben, und gliedert sich dafür in die Teile 1 bis 12.

Von Stephan Grosser Veröffentlicht: 11.03.2026 Aktualisiert: 08.09.2026
Artikelbild: gewerbepass DEUTSCHLAND, Tel. 0152 060 777 67

Was ist die DIN V 18599?

Die DIN V 18599 ist die deutsche Berechnungsnorm für den Energiebedarf von Gebäuden, speziell für Nichtwohngebäude. Sie beschreibt ein umfassendes ingenieurmäßiges Verfahren, das alle energetisch relevanten Systeme eines Gebäudes erfasst und berechnet:

Heizung
Kühlung
Lüftung
Beleuchtung
Warmwasser
Hilfsenergie

Die Norm wurde ursprünglich als Vornorm (daher das "V" in DIN V 18599) veröffentlicht und inzwischen vielfach überarbeitet. Sie ist in zahlreiche Teile (DIN V 18599-1 bis -12) gegliedert, die verschiedene Aspekte der Berechnung abdecken.

Was macht die DIN V 18599 besonders komplex?

Während die Wohngebäude-Norm (DIN V 4108 + DIN EN 12831) mit vereinfachten Standardnutzungsprofilen arbeitet, erfordert die DIN V 18599 für Nichtwohngebäude eine detaillierte Analyse verschiedener Nutzungszonen:

Nutzungszonen-Konzept

Ein Bürogebäude enthält typischerweise mehrere Nutzungszonen: Großraumbüro, Einzelbüros, Besprechungsräume, Serverraum, Archiv, Kantine, Sanitäranlagen. Jede Zone hat unterschiedliche Anforderungen an Raumtemperatur, Beleuchtungsstärke, Belegungsdichte und Lüftung.

Die DIN V 18599 definiert für über 30 Standardnutzungen genaue Nutzungsprofile mit Kennwerten für Betriebszeiten, interne Wärmelasten und Systemanforderungen. Diese Nutzungsprofile werden mit den tatsächlichen Gebäudeeigenschaften verknüpft, das ist der Kern der Berechnung.

Die Berechnungsschritte im Überblick

1

Gebäudehülle erfassen

U-Werte aller Bauteile (Wände, Dach, Boden, Fenster), thermische Brücken, Luftdichtheit

2

Nutzungszonen definieren

Flächenaufteilung auf Standardnutzungsprofile der DIN V 18599-10

3

Heizsystem bewerten

Erzeuger (Kessel, Wärmepumpe), Verteilung, Übergabe, je mit Wirkungsgraden und Hilfsenergie

4

Lüftung berechnen

Freie oder mechanische Lüftung, Wärmerückgewinnung, Außenluftvolumenstrom nach Zone

5

Kühlung bewerten

Kälteerzeugung, Verteilung, Übergabe, falls Kühlung vorhanden

6

Beleuchtung berechnen

Installed lighting power, Nutzungszeiten, Tageslichtverfügbarkeit, Anwesenheitssteuerung

7

Warmwasser bewerten

Bedarf nach Nutzungszone, Erzeugung, Verteilung, Verluste

8

Gesamtergebnis

Aggregation aller Zonen zum Gebäude-Endenergiebedarf und -Primärenergiebedarf

DIN V 18599 vs. vereinfachte Methoden

Für Wohngebäude gibt es vereinfachte Berechnungsverfahren, die weniger Eingangsdaten erfordern. Für Nichtwohngebäude ist die vollständige DIN V 18599 das vorgeschriebene Verfahren, und das aus gutem Grund: Die Komplexität gewerblicher Nutzungen lässt sich nicht mit Faustformeln abbilden.

Das macht den NWG-Bedarfsausweis aufwändiger und teurer als vergleichbare Wohngebäude-Ausweise, und erklärt, warum viele Anbieter auf NWG-Ausweise verzichten oder deutlich höhere Preise verlangen. Bei gewerbepass.de ist die DIN V 18599-Berechnung für NWG das Kerngeschäft.

Welche Preisspannen sich daraus für Wohn- und Nichtwohngebäude ergeben und woran genau der Preis hängt, zeigt der Ratgeber Was kostet ein Energieausweis?

Schritt 4 der Berechnung, die Lüftung, wird oft mit einem separaten Lüftungskonzept verwechselt. Warum das für Nichtwohngebäude ein anderer Regelkreis ist als beim Wohngebäude, erklärt der Ratgeber Lüftungskonzept für Nichtwohngebäude.

Weiterführende Informationen

Stephan Grosser, Gründer & Immobilienexperte von gewerbepass®

Geschrieben von

Stephan Grosser

Gründer & Immobilienexperte, gewerbepass® DEUTSCHLAND

Seit 2018 stelle ich Energieausweise aus, inzwischen bundesweit und mit Schwerpunkt auf Nichtwohngebäuden und Mischgebäuden. Was ich hier schreibe, stammt aus laufenden Aufträgen, nicht aus einer Pressemitteilung.

  • Tätig seit 2018
  • Ausweise von DIBt-registrierten Ausstellern, mit gültiger Registriernummer
  • Schwerpunkt Nichtwohngebäude und Mischgebäude

Regional auch tätig als energiepass® BREMEN, energieausweis® HAMBURG, energiepass® HANNOVER, energiepass® KÖLN, energiepass® BERLIN und enerprio®. Mehr über mich

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